Ketamine und Depressionen

20% der Bevölkerung erleiden im Laufe ihres Lebens zumindest eine depressive Episode, die Hälfte hiervon sogar mehrere Episoden. Dies führt bei den Betroffenen zu einer deutlich verminderten Lebensfreude und Lebensqualität. Die optimale Behandlung umfasst Psychotherapie, medikamentöse Therapie und gegebenenfalls andere Therapie-Maßnahmen. Bei 50% der Patienten wirken die Medikamente jedoch nicht. Zudem sind Nebenwirkungen wir Gewichtszunahme, Schläfrigkeit und sexuelle Funktionsstörungen nicht selten. Seit einigen Jahren mehren sich Studien, welche die gute Wirksamkeit des Ketamins zur Behandlung bei Depressionen belegen.

Ketamin ist ein seit über 50 Jahren bekanntes Arzneimittel, welches üblicherweise zur Einleitung und Durchführung einer Allgemeinanästhesie, zur Analgesie und Anästhesie in der Notfallmedizin sowie als Kurznarkotikum bei schmerzhaften Interventionen eingesetzt wird. In der Gruppe der Anästhetika nimmt es, aufgrund seiner dissoziativen Wirkung, eine Sonderstellung ein: Hierbei kommt es zu einem von der Umwelt abgekoppelten Zustand, bei dem der Patient bewusstlos ist, keine Schmerzen verspürt, jedoch die Augen geöffnet sein können, die Schutzreflexe sowie die eigenständige Atmung erhalten bleiben. V.a. in der Aufwachphase kann es zu Alpträumen und Halluzinationen kommen.

In den letzten Jahren hat man herausgefunden, dass Ketamin bei vielen Patienten mit schweren Depressionen eine hervorragende antidepressive und auch Suizidgedanken-mindernde Wirkung hat. Mehrere Studien belegen eine, im Vergleich zu herkömmlichen Antidepressiva, bessere und schneller einsetzende Wirkung. Wohingegen bei den herkömmlichen Antidepressiva weniger als die Hälfte der Patienten eine Verbesserung ihrer Symptome erfahren, und dies erst nach ca. 6 Wochen, konnten die Ketamin-Infusionen bei etwas mehr als der Hälfte der Patienten schon nach 3 Tagen eine Verbesserung bewirken
Hierbei bekommen die Patienten insgesamt 6 Infusionen mit Ketamin in einem Zeitraum von 2-3 Wochen. Danach können Stabilisierungsinfusionen in größeren Abständen sinnvoll sein.
Die verabreichte Dosis ist deutlich niedriger als die bei der Schmerztherapie oder Narkoseeinleitung. Zudem wird das Ketamin nicht innerhalb Sekunden oder wenigen Minuten, sondern über einen Zeitraum von 45 Minuten langsam intravenös gegeben. Deswegen sind die Nebenwirkungen auch sehr gering: Viele Patienten verspüren ein Gefühl von Leichtigkeit, Losgelöst-Sein, oder aber auch ein Kribbeln in den Extremitäten. Gelegentlich wird die Infusion jedoch auch als unangenehm empfunden. Schwerwiegende Nebenwirkungen oder eine Abhängigkeit sind bei professioneller Anwendung nicht zu erwarten.
Nach einer Infusion dürfen Fahrzeuge und Maschinen 24 Stunden lang nicht bedient werden.

WICHTIG: Derzeit hat Ketamin noch keine Zulassung von der Arzneimittelbehörde, um Depressionen zu behandeln. Ketamin-Infusionen zur Behandlung von Depressionen sind somit ein „Off-Label-Use“. Für andere Zwecke ist es jedoch ein gut untersuchtes und weit verbreitetes Arzneimittel. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine solche Behandlung nicht. Deswegen muss der Patient ein Einverständnisformular unterschreiben, nach einem ausführlichen Beratungsgespräch, indem geprüft wird, ob eine Ketamin-Infusionstherapie für Ihn einen Nutzen bringen kann und in dem ausführlich über Risiken und Nebenwirkungen gesprochen wird.

In der Notaufnahme und als Notarzt wende ich Ketamin gerne und regelmäßig an. Die zahlreichen Studien, welche die gute Wirkung von Ketamin belegen, vor allem auch bei solchen Patienten, die durch andere Medikamente keine Linderung ihres Leides erfahren konnten, überzeugen mich, Ihnen diese Therapiemöglichkeit in unserer Praxis anzubieten. Sprechen Sie uns an.

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Anwendungsbereiche Ketamin-Infusionstherapie

  • Depressionen
  • Einige chronischen Schmerzzustände: Neuropathische Schmerzen, diabetische Polyneuropathie, Fibromyalgie.

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